Zeit und Zuwendung für alte Menschen im Heim

(Februar 2016)

Zeit und Zuwendung für alte Menschen im Heim (Februar 2015)

Was Betreuungskräfte für die Rund-um-Versorgung alter Menschen leisten, darüber berichten Stefanie Topka, Christiane Herold, Ulrike Ollinger, Edna Künne, die das Lina-Oberbäumer-Haus und das Hanse-Zentrum leitet sowie Bewohnerin Käthe Leismann. © Dahm

Manchmal genügt es, einfach nur die Hand zu drücken und Nähe zu vermitteln. Christiane Herold, die im Lina-Oberbäumer-Haus am Feldmühlenweg arbeitet, begleitet die Bewohnerinnen in ihrem Alltag, aktiviert sie, bietet Beschäftigung an, geht auf ihre Bedürfnisse ein, führt Gespräche mit ihnen und nimmt sich Zeit.

„Wenn man nur das kleinste Lächeln erhält, den Glanz in den Augen und die Dankbarkeit in den Gesichtern sieht, ist dies für mich die schönste Anerkennung“, sagt sie, „dann weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe.“

Was leisten zusätzliche Betreuungskräfte für Demenzkranke in den Altenheimen? Wie tragen sie dort ergänzend zur Rund-um-Versorgung bei? Sind sie billige Lückenbüßer, wie zuweilen zu hören ist?

Edna Künne, die das Lina-Oberbäumer-Haus und das Hanse-Zentrum der Evangelische Frauenhilfe in Westfalen leitet, widerspricht und räumt den eigens qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich individuell kümmern, einen hohen Stellenwert ein. Sie seien Bezugs- und Vertrauenspersonen, betont auch Stefanie Topka vom Sozialen Dienst, „man kann ihnen sein Herz ausschütten, das geht in der großen Gruppe nicht.“ Sie erarbeitet für die Betreuungskräfte den Dienstplan: „Es wird in einem 3-Schicht-Dienstplan gearbeitet: zwischen Frühstück und Mittagessen eine Angebotsstruktur für Kleinstgruppen oder Einzelne, zwischen Kaffee und Abendessen eine Schicht und nach dem Abendessen. So kann die Betreuung täglich gut abgedeckt werden.“

Käthe Leismann lebt seit drei Jahren im Haus und erhofft sich von den kleineren Gruppen, „dass man da nicht so untergeht und mehr zu Wort kommt.“ Sie liebt das Spielen und Malen, und findet „als ich noch alleine wohnte, hatte ich nicht so einen Stress mit den Freizeitangeboten…“ Und dabei lächelt sie fröhlich.

Der Gesetzgeber will die Pflege stärken. Deshalb sieht er eine Verbesserung der Ansprüche für alte Menschen mit Pflegestufe 1 bis 3 - mit Pflegestufe 0 auf Antrag - vor. Mit 87b wird ein Paragraph des Sozialgesetzbuches bezeichnet. Der 87b regelt die zusätzliche Betreuung und Aktivierung pflegebedürftiger Heimbewohner in stationären Pflegeeinrichtungen durch Betreuungskräfte. Mit dem Pflegestärkungsgesetz  von 2015 haben künftig nicht nur demente Heimbewohnerinnen und Heimbewohner, sondern alle pflegebedürftigen Heimbewohner einen Anspruch auf zusätzliche Betreuung. Darüber hinaus wurde auch die Betreuungsrelation erhöht; eine Betreuungskraft in Vollzeit ist nun maximal für nur noch 20 Heimbewohner zuständig (vorher 24). Mit diesen Änderungen entsteht bundesweit ein zusätzlicher Bedarf von circa 20.000 neuen Betreuungskräften ("Betreuungskraft nach § 87b").

Christiane Herold gehört zu ihnen. Um sich zu spezialisieren, absolvierte sie eine umfassende Weiterbildung am Soester Fachseminar für Altenpflege, ebenfalls in Trägerschaft der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen. Jährlich ist eine Fortbildungsmaßnahme mit mindestens 16 Stunden von ihr als „Betreuungskraft nach §87b“ zu absolvieren, die an 2 aufeinander folgenden Tagen liegen. „Das zeigt die hervorgehobene Rolle dieser Mitarbeitenden - oder kennen Sie Berufsgruppen, die jährlich eine zweitägige Fortbildung vorweisen müssen?!“ betont Edna Künne. Durch die Unterstützung dieser eigens qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es möglich, den Bewohnerinnen und Bewohnern mehr und individuellere Angebote zu machen, die sie einzeln oder in kleinen homogenen Gruppe wahrnehmen.

In ihrem Dienst wendet Christiane Herold sich Demenzkranken zu - auch, um ihnen mehr Teilhabe an der Gemeinschaft zu ermöglichen. Da wird gemalt, gebastelt, gebacken. Eine Bewohnerin möchte vielleicht spielen, die andere einen Spaziergang unternehmen. Christiane Herold empfindet es immer wieder als bestätigend und stärkend, wenn sie merkt, dass es ihr gelingt, Zugang zu finden. Sie berichtet von einer Bewohnerin, die still in sich zurückgezogen ist und nur wenig sagt. Als sie aber mit ihr die Bilder in einem Märchenbuch betrachtete und sie dann fragte, ob sie diese Geschichten früher mit der Tochter gelesen habe, bekam sie ein leises „Ja“ zur Antwort. Das sind Momente, die ihr guttun und ihr immer wieder neu zeigen, wie wichtig dieser Einsatz ist. Christiane Herold stellt aber auch fest: „Manchmal ist es schwer, mit herausforderndem Verhalten richtig umzugehen.“ Die Sterbebegleitung sei belastend, „besonders dann, wenn einem die Person am Herzen liegt“.

Ulrike Ollinger weiß als verantwortliche Ausbilderin für die zusätzlichen Betreuungskräfte am Soester Fachseminar, worauf es ankommt: Für diese besondere Tätigkeit seien Freude, Einfühlungsvermögen und Geduld im Kontakt mit den Pflegebedürftigen erforderlich. „Und nach den 160 Stunden bestandener Qualifizierung sind die Betreuungskräfte unverzichtbare Expertinnen - Expertinnen im Umgang mit Menschen mit Demenz.“

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